Reenactment & Living History

Oft hörte ich Begriffe wie "reenactment" oder "living history". Doch was habe ich darunter zu verstehen? Nach einigen Recherchen im Internet fand ich folgendes heraus:

Mit "reenactment" wird die Darstellung von bestimmten historischen Geschehnissen, normalerweise von Schlachten oder ähnlichem verbunden. Ein Beispiel dafür ist das Battle of Hastings. Oft werden diese "reenactment" an den Originalschauplätzen durchgeführt.

Unter "Living history" versteht man die Nachstellung des Lebens einer vergangen Epoche, ohne sich dabei auf ein spezielles historisches Ereignis zu beziehen. Diese Art, Geschichte darzustellen, hat einen sehr großen Spielraum, der sich z.B. in einem Museum oder - und das ist wohl der öftere Fall - einfach draußen, auf der Wiese, darstellt.

Dabei werden die Begriffe oft gleichgesetzt, bzw. der Begriff "reenactment" wird erweitert betrachtet und nicht nur auf konkrete historische Ereignisse bezogen.

Egal wie oder was man macht, für beides gilt, daß mehr dazu gehört, als nur verkleiden! Der Acteur sollte versuchen, die Vergangenheit so korrekt wie nur möglich darzustellen. Dies geht einher mit einer intensiven Recherche. Wenn möglich, sollten entsprechende Museen besucht werden. In jedem Fall ist das Lesen von entsprechender Fachliteratur unabdingbar! Dabei sollte man darauf achten, daß man nicht gerade Literatur liest, die schon einige Jahre alt ist. Auch in der Archäologie gibt es immer wieder Neuerungen. Einige alte Bücher sind sehr gut, aber in neueren sind oft die Bildtafeln besser und in jedem Fall gibt es neu hinzugewonnene Erkenntnisse.Das hierbei angeeignete Wissen sollte dann auch umgesetzt werden. Die Ausrüstung des Reenactors sollte so originalgetreu wie möglich sein, und zwar auch bei kleinen Dingen und in Details. Das Darstellen lebt aber nicht nur von der Gewandung und den Waffen, die der Reenactor hat. Dafür könnte man auch eine Puppe hinstellen, die entsprechend der Epoche gekleidet ist. Hier ist der Reenactor gefordert, sich die Geschichte der Epoche einarbeiten, die er darstellen will, um zu erfahren, wie man in der dargestellten Epoche gedacht hat, und wie die Geisteshaltung der damaligen Menschen war. Ausgestattet mit einer passenden Gewandung und dem entsprechenden Wissen gelingt dem Reenactor eine überzeugnde Darstellung einer Person aus einer vergangenen Zeit. Da dies eine Menge Arbeit ist, sei hier die Empfehlung ausgesprochen, sich auf einen sehr kleinen Zeitraum zu spezialisieren. Sie wissen heute ja auch nicht alles über ihr Jahrhundert oder über die letzten 1000 Jahre! Nehmen Sie sich einen kleinen, überschaubaren Zeitraum heraus über den Sie sich - zumindest Anfangs - sehr gut informieren. Beispielsweise Sie wollen einen Wikinger darstellen. Suchen Sie sich einen Zeitrahmen heraus, sagen wir einfach mal 956 n.C., nur um mal eine Zahl genannt zu haben. Subtrahieren Sie von dieser Zahl Ihr Alter (wenn Sie 22 Jahre alt sind kauft ihnen niemand ab, daß Sie einen 53jährigen Fürsten darstellen!), wobei Sie Ihr fiktives Geburtsjahr erhalten. Geht man davon aus, daß Sie noch ein paar Geschichten von Ihrem Großvater gehört haben, und je nachdem, "wie redegeand" dieser gewesen sein soll, können Sie noch weitere 20-30 Jahre von Ihrem fiktiven Geburtsjahr subtrahieren. Das ist dann der Zeitraum, über den Sie sich informieren sollten. Es reicht aber auch, wenn Sie sich anfangs nur über den von Ihrer fiktiven Person wahrnehmbaren Zeitraum informieren. D.h., wenn Sie eine Person darstellen, die 30 Jahre alt ist, kann man davon ausgehen, daß Sie die ersten 7 - 10 Jahre ihres Lebens nicht politisch wahrgenommen hat. Wichtig war nur, daß das Kind schlafen, essen und trinken durfte. Wo das herkam etc. war nicht so interessant - für das Kind! Für Ihr Wissen, wäre da noch ein Zeitraum von 20 Jahren zu überbrücken, was - aus Geschichtlicher Hinsicht gesehen - ein sehr kleiner, überschaubarere Zeitrahmen ist! Stellt man Ihnen Fragen, die sich über den von Ihnen dargestellten Zeitrahmen hinaus bewegen, geben Sie ruhig offen zu, daß Sie sich darüber nicht informiert haben, sei es, daß die von Ihnen dargestellte Person noch gar nicht gelebt oder oder diese Ereignisse noch in "ferner Zukunft" liegen! Dies läßt Sie in jedem Fall glaubhafter erscheinen, als wenn Sie plötzlich anfangen rumzustottern und sich irgendwelche Eventualitäten aus den Fingern saugen!

Es ist VIEL Arbeit, aber es macht auch Spaß!

Wie sollte man beginnen?

  • Zuerst sollte man sich mit einführender Literatur zur gewählten Epoche auseinandersetzen um sich entsprechendes Hintergrundwissen anzueignen.
  • Dann sollte man sich überlegen, was man darstellen möchte, aus welcher Region die dargestellte Person stammen soll und welcher soziale Status verkörpert werden soll. Empfehlenswert ist es immer, mit einer einfachen Grundausstattung anzufangen, die man dann nach und nach "aufrüsten" kann, wenn man eine sozial höher gestellte Person darstellen will. Also: erst die Grundausstattung an Kleidung, dann das nötigste Zubehör (z.B. Gürteltaschen, Messer usw.), schließlich dann Waffen u.ä.
  • Wenn man selbst nicht in der Lage ist, sich Kleider und Ausrüstungsgegenstände anzufertigen, sei es wegen mangelnder Zeit oder auch, weil man handwerklich nicht so geschickt ist, dann sollte man sich über gute Bezugsquellen informieren, die Qualität der angebotenen Waren vergleichen, und nicht gleich das Erstbeste kaufen, was einem über den Weg läuft. So kann man sich eine Menge Fehlkäufe sparen.
  • Die einzelnen Gegenstände der persönlichen Ausrüstung müssen historisch belegbar sein, beispielsweise anhand von archäologischen Quellen, und sie müssen in den Rahmen der persönlichen Darstellung passen (d.h. z.B. wenn ein norwegischer Wikinger dargestellt wird, sollte keine Rus-Tracht getragen werden, wenn ein Bauer dargestellt wird ist ein Kettenhemd fehl am Platze u.ä.)
  • Um eine glaubhafte Darstellung durchführen zu können, sollte man sich auch mit der Mentalität und den gesellschaftlichen Hintergründen der damaligen Zeit auskennen und dieses Wissen auch umsetzen. D.h., daß man während man seine Rolle verkörpert auch seine "modernen" Ansichten zum Teil ablegen muß. Beispiel: Ein Pazifist muß z.B. akzeptieren, das er, wenn er einen Waräger darstellen will, auch Waffen tragen und mit diesen umgehen können muß.